Archiv für April 2011
Energie: Wann kommt der Torschuss?
Freitag, 15. April 2011Energiefragen sind seit geraumer Zeit erst Recht hoch im Kurs. Berechtigterweise stellt sich in Lengnau nun die Frage: Wann kommt endlich der Torschuss in Sachen Energie?
Die Katastrophe in Fukushima führt uns auch nach einigen Wochen die verheerenden Folgen immer wieder vor Augen, welche die Nutzung von Atomkraft haben kann. Berechtigterweise stellen wir uns die Frage, welche Alternativen wir haben – denn unser Energiehunger will weiterhin gestillt sein. Vor diesem Hintergrund müssen wir in Lengnau auch gemeinsam diskutieren, was wir konkret vor Ort an Projekten umsetzen und an Anlagen realisieren können. Doch die Frage ist alles andere als neu – weshalb sich die Einwohnergemeinde bald seit zwei Jahren mit dieser Thematik intensiv auseinandersetzt, worüber wir auch verschiedentlich berichtet haben. Vorzuweisen haben wir jedoch keine fassbare Referenzanlage, weshalb oftmals die Frage an uns gestellt wird: Wie lange soll das noch dauern?
Unbestritten ist, dass sich die Gemeinde in den letzten Jahren äusserst passiv in Sachen Förderung der Energieeffizienz sowie der ökologischen Energieerzeugung verhalten hat. Unbestritten ist auch, dass bislang der politische Wille fehlte, hier echte Anstrengungen zu unternehmen. Zudem mussten wir einsehen, dass wir in Sachen Energiepolitik im schweizweiten Vergleich bislang eher am unteren Ende anzusiedeln waren.
Der Gemeinderat hat im März 2011 mit dem Beschluss, die Vereinbarung mit dem Kanton zum erarbeiteten Massnahmenkatalog Berner Energieabkommen (BEakom) zu unterzeichnen, seinen Willen bekräftigt, in Sachen Energiepolitik einen echten Schritt vorwärts zu machen – doch wie das Projekt BEakom gezeigt hat: Es ist mit enormen finanziellen und insbesondere personellen Aufwendungen zu rechnen, um umfassende und durchdachte Lösungen in Sachen Energie zu erarbeiten und letztlich zum Beschluss vorlegen zu können. Wichtig ist daher eines: Verzetteln wir uns nicht und setzen wir klare Prioritäten! Anders als beim Fussball wird das Spiel jedoch nicht in 90 Minuten entschieden, wir werden aufgrund der Gegebenheiten in Lengnau Jahre brauchen, um das Spiel im Sinne einer effizienten Energienutzung und ökologischen Energieproduktion für uns zu entscheiden. Doch wenn wir uns verzetteln und unkoordiniert über das Feld huschen und jede erdenkliche Gelegenheit nutzen, Investitionen in die Energieeffizienz oder Energieerzeugung zu tätigen, werden uns am Ende die Mittel fehlen, die wirklich nachhaltigen Lösungen zu realisieren. Denn auch in der Energiefrage gilt: Zuerst gilt es diejenigen Massnahmen zu realisieren, welche den grössten Nutzen bringen. Und mit dem unterzeichneten BEakom in der Hand ist uns ein erster, wichtiger Torschuss gelungen – denn es liegt ein klarer Fahrplan vor, mit dem Ziel, uns bis ins Jahr 2015 zur Energiestadt zu führen!
Einigen mögen diese Worte erstaunen, zeigen Sie doch erstens immer noch keine konkreten Projekte auf – und sie kommen in einem Wahljahr. Klar, erste Projektideen liegen bereits auf dem Tisch: Doch ist es gerade in dieser Frage unseriös und Augenwischerei, noch im Wahljahr ein Prestigeprojekt zu realisieren und der Bevölkerung als gute Tat zu verkaufen. Gerade jetzt ist es wichtig, ernst gemeinte Lösungen zu erarbeiten und nicht im Vier-Jahres-Rhythmus zu denken.

Windkraft: eine Alternative zu Atomstrom - und eine hervorragende Investitionsmöglichkeit!
Das Jahr 2011 verspricht aus Sicht Energie einiges an Diskussionsstoff in Lengnau: Der Ausschuss nachhaltige Entwicklung (ANEL) sowie das Departement Bau und Werke sind bestrebt, gemeinsam mit umliegenden Gemeinden einen Energierichtplan zu erarbeiten. Dieser wird Aufschluss darüber geben, wo gemeinsam sinnvolle Projekte zur Energieerzeugung realisiert werden können bzw. wo private Investoren in Projekte zur ökologischen Energieerzeugung investieren können. Zudem ist noch in diesem Jahr im Grundsatz zu entscheiden, ob und wie sich die Einwohnergemeinde an der geplanten Windkraftanlage Grenchenberg beteiligen will. Zum Vergleich: Die Anlage verfügt über das Potenzial, den Jahresstromverbrauch der Gemeinde Lengnau vollumfänglich aus Windkraft abzudecken. Zuletzt wird die Diskussion zu führen sein, ob und wie die Einwohnergemeinde in Sachen Energieerzeugung bei den zahlreich geplanten Überbauungen im Dorf (im Sinne eines Nahwärmeverbundes) einwirken will. All diese Beispiele zeigen: Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Potenzial ist gross. Doch braucht es Zeit, diese zu planen und zu realisieren. Wir sind zuversichtlich, erfolgreich das „Energiespiel“ für Lengnau zu entscheiden – ein hervorragender Start ist uns mit dem Torschuss BEakom bereits gelungen!





