Passivität – eine neue Form des Vandalismus?
Wenn es nach den Lengnauer Notizen geht, dann wird seit zwei Ausgaben kontrovers diskutiert, ob Passivität eine Form des Vandalismus ist. Dazu die Aussage unseres Gemeindepräsidenten, welcher die passiven Vandalen umschreibt: “Das sind jene Leute, die nicht aktiv etwas zerstören, aber aus welchen Gründen auch immer für die Renovation ihrer Liegenschaft zehn, zwanzig oder noch mehr Jahre brauchen. Dazu kommen noch all jene, die ihre Häuser einfach unbewohnt zerfallen lassen und über Jahrzehnte keinen Nagel einschlagen.” Diese, wie sich nun herausstellt, offenbar gewagte Aussage führt zu einer kontroversen Diskussion in Lengnau. Ein Leser hierzu: “Dass nun Hausbesitzer in Lengnau öffentlich mit kriminellen Tätigkeiten in Verbindung gebracht werden, ist nicht die Aufgabe des Gemeindepräsidenten.”
Also stellt sich mir nun die Grundsatzfrage: Ist Passivität eine Form des Vandalismus? Unsere Gemeinde investierte in den vergangenen Jahren in grossem Umfang Mittel, um das Dorfzentrum sowie den Strassenraum und die öffentlichen Gebäude aufzuwerten. Klar gibt es auch seitens Einwohnergemeinde Verbesserungspotenzial – generell können beliebig viele Mittel in optische Aufwertungsmassnahmen investiert werden, denn es gibt immer etwas zu “verschönern”. Doch ist es zweckslos, wenn die öffentliche Hand in solche Massnahmen investiert, wenn daneben Dauerbaustellen sowie verwahrloste, zerfallende Gebäude bestehen bleiben. Denn damit bleibt Lengnau höchstens für Billig-Wohnraum-Suchende attraktiv – leider mit einer ausserordentlich hohen Sozialhilfequote.
Es geht daher meiner Meinung nach nicht darum, dass die passiven (Liegenschafts-)Vandalen im strafrechtlichen Sinn kriminalisiert werden. Einziges Ziel ist, dass sich auch die privaten Liegenschaftsbesitzer ihrer Verantwortung für Lengnau bewusst werden und entsprechende Massnahmen ergreifen – und das die Politik diejenigen, welche das Unterlassen, mit Nachdruck ermahnt. Denn sonst würde sich ja aufgrund der politischen Passivität in dieser Sache die Frage stellen lassen: Ja sitzen denn im Gemeinderat nur noch Vandalen?





